Australien haben schon mal Weltmeisterschaften in anderen Sportarten wie Cricket und Rugby-Fussball gewonnen und obwohl sie wahrscheinlich nicht während den Endspielen dieses Turnier mitspielen werden, mussten ihre Gegner vor vier Jahren lernen, dass man sie dennoch ernst nehmen muss. Dazumals war Guus Hiddink ihr Trainer und sie werden jetzt von seinem langjährigen Assistent, Pim Verbeek, geführt. Der Grossteil der Mannschaft spielt in der Premier League und wurde unter Verbeek zu einer effizienten, doch etwas langweiligen Mannschaft deren Stärke in der Verteidigung liegt. Sie werden wohl kaum in Südafrika für grosse Begeisterung sorgen. Auch hätten sie sicherlich nicht gewählt gegen Deutschland schon so früh antreten zu müssen, obwohl die Mannschaft dafür sorgen kann, dass die gegnerische Mannschaft vor lauter Frustration versagt. Sie machen sich viel zu stark von Tim Cahill abhängig, da dieser sich Tore aus dem Mittelfeld schnappen soll und zudem fehlt es der Mannschaft an Stürmertalent.
Der Weg nach Südafrika
Australien schaffte sich durch eine Qualifikation der ozeanischen Gruppe den Zugang zur Asian Football Confederation zu ermöglichen. Sie mussten sich einem vollgepackten Spielkalender stellen, aber einige fanden die Reiserei als deutlich anspruchsvoller. Australien hatte mit ihrer ersten Qualifkationsgruppe mehr Mühe als mit der zweiten. Sie verloren gegen Irak und im Heimspiel gegen China, hatten aber während der angeblich schwierigeren zweiten Qualifikationsrunde kein einziges Tor während den ersten sieben Spielen einstecken müssen. Verbeek nannte dies eine klare Aussage gegenüber den restlichen asiatischen Mannschaft sowie dem Rest der Welt.
Die Spielmacher
Mark Schwarzer (Fulham) Einer der oft stark unterschätzten Torhüter der Premier League. Seine Leistung lässt trotz seines Alters nicht nach und er wird bei der Turnieröffnung 37 Jahre alt sein. Seine Eltern kamen von Österreich nach Deutschland und sein Hintergrund wird wohl einen Einfluss auf seine Fähigkeiten als Torhüter haben.
Brett Emerton (Blackburn) Obwohl er in einer eher defensiven Rolle aufs Feld geschickt wird ist er in der Tat ein offensiver Spieler. Emerton ist einer der wichtigsten Spieler der Socceroos, aber er naht sich dem Ende seiner Karriere, wie viele andere Mannschaftsmitglieder.
Harry Kewell (Galatasaray) Seit dem Abgang von Mark Vidukas lastet ein grosser Druck auf seinem ehemaligen Spielpartner bei Leeds, dass er die nötigen Tore für das Weiterkommen Australiens liefert. Im Alter von 31 Jahren wird dies Kewells letzter Siegeszug im international Fussball sein. Er ist mit seiner Leistung in der Türkei deutlich zufriedener als während seinen Jahren bei Liverpool.
Der Trainer
Pim Verbeek Australien hatte nicht das nötige Geld um den Abgang Hiddinks nach Russland zu verhindern, obwohl sie das Nächstbeste taten und seinen Assistenztrainer anheuerten, der am spektakulären Erfolg Südkoreas 2002 teilhatte sowie für Australiens hervorragende Leistung in Deutschland vier Jahre später mitverantwortlich war. Verbeek wird wohl seine Beziehung zu den Socceroos nach diesem WM-Turnier beenden, da er seit langer Zeit viel Kritik wegen der etwas langweiligen, unbeeindruckenden Spielweise seiner Mannschaft einstecken muss. Er machte sich nicht gerade mit seiner Kritik der schlechten A-Liga Australiens sehr beliebt und hielt auch nicht viel vom Abgang Jason Culinas von PSV Eindhoven zu Gold Coast United.
Geschichte
World Cup: Round of 16 2006
Analyse
Australien will seine Leistung vor vier Jahren übertreffen und das Alter der wichtigsten Spieler wird wahrscheinlich bei Verbeek für schlaflose Nächte sorgen, da dieser ein Faktor der Turnierleistung Australiens negativ beeinflussen könnte. Schwarzer, Kewell, Emerton und Neill sind alle über 30 Jahre alt während Tim Cahill, wahrscheinlich ihr bester Spieler, sehr verwundbar ist und oft an Verletzungen leidet. Sie wären gerne dem Anfangsspiel gegen Deutschland ausgewichen. Wenn sie während den ersten zwei Spiele kein Erfolg haben, werden sie wohl kaum Hiddinks Leistungen übertreffen können, auch wenn sie danach gegen Ghana antreten.
Urteil
Mannschaft: 2.5/5
Vor vier Jahren hätte die Mannschaft besser gepunktet, aber wie AC Milan während der Champions League vor kurzer Zeit erfahren musste: Die Zeit fordert seinen Tribut, egal wie viel Talent man heute besitzen mag.
Trainer: 3/5
Angriffig bei seiner Kritik bezüglich dem schwächelnden australischen Fussball und sehr vorsichtig in seiner Führungsweise, besitzt Verbeek nicht das Charisma Hiddinks, ist aber sehr kompetent.
Angriff: 2/5
Viduka und Kewell bildeten in Deutschland eine gefährliche Kombination, aber vier Jahre später steht Viduka seinem Karriereende entgegen und Kewell muss eine geradezu erdrückende Last schultern.
Verteidigung: 3/5
Australien besitzt nicht ohne Grund eine derart saubere Leistungsgeschichte. Verbeek investierte viel Zeit in seine vier Verteidiger, was vielleicht der Grund sein mag, dass sie ihre Chancen gegen Ghana gut einschätzen, da diese Mannschaft keine allzu guten Stürmer besitzt.