Während den letzten 20 Jahren war Brasilien immer der klare Favorit jeder Weltmeisterschaft, was diesmal auch nicht anders ist. Doch zeigte das WM-Turnier 2006, dass nicht alles bei ihnen nach Plan läuft. Nachdem sie ihre ersten vier Spiele ganz bequem gewinnen konnten wurden die Selecao in Frankfurt von der disziplinierten Mannschaft Frankreichs, die vorbildlich von Zinedine Zidane angeführt wurde, niedergeschlagen. Nichtsdestotrotz führt Dunga eine aufgefrischte Mannschaft, die leider ihre fanatischen Fans unter Carlos Alberto Perreira enttäuschte. "Wir müssen lernen ohne Favoritenstatus zu leben," sagte Kaka. "Wir müssen dies nicht in etwas Negatives umwandeln, wie es in den letzten Jahren der Fall war."
Der Weg nach Südafrika
Wie Deutschland hat Brasilien sich immer für die Weltmeisterschaft qualifiziert. Bei ihrer 19. Turnierteilnahme gab es auch keine Ausnahmen zu dieser Regel. Sie konnten mehr Punkte gewinnen, mehr Tore schiessen und weniger Tore einstecken als jede andere südamerikanische Mannschaft. Es gab aber Anomalien im Verlauf der Qualifikation. Brasilien hat nur 4 ihrer ersten 11 Spiele gewonnen und ihre Erfolge gegen Mannschaften, die sich nicht einmal qualifizierten, sehen markanter aus als ihre Begegnungen mit minderen Mannschaften wie Kolumbien, Ekuador, Bolivien, Venezuela und Peru. Spitzenleistungen waren eine Seltenheit, wie etwa z.B. ein 4-0 Sieg über Paraguay in Montevideo, ein 3-0 Sieg gegen Chile, dass durch Luis Fabiano und Robinho in Santiago verursacht wurde. Zudem konnten sie Argentinien in Rosario auf beeindruckende Weise besiegen.
Die Spielmacher
Robinho (Santos) Begabt, selbstsüchtig und angetrieben, Robinho symbolisiert die Essenz eines brasilianischen Fussballspielers: Beweglichkeit, Grazie und üppiges Talent. Dennoch zeigte er vor seiner Rückkehr nach Brasilien bei Manchester United, dass er auch sehr egoistisch handeln kann sowie demotiviert sein kann. Er sagte, dass er nach Santos zurückkehren müsste um sich für die Weltmeisterschaft zu beweisen.
Dida (AC Milan) Brasilianische Mannschaften beschäftigen sich generell nicht mit dem Engagieren hochwertiger Torhüter. Dunga hatte die Wahl zwischen drei erstklassigen Torhütern und wählte Dida, der im Alter von 36 Jahren der berühmteste Torhüter Brasiliens ist, aber erste Altersspuren zeigt. Er trug zu zwei erfolgreichen Champions Leagues mit Milan bei. Auf seinem Niveau wird er mit Julio Cesar bei Inter und Doni bei Roma verglichen, die also eine Konkurrenz der Spitzenklasse darstellen.
Lucio (Inter Milan) Sollten die Selecao den Erwartungen ihrer Fans gerecht werden, dann wird Lucimar Ferreira da Silva der sechste Kapitän Brasiliens sein, der das WM-Pokal emporheben darf. Der elegante Verteidiger verbrachte acht Jahre in der Bundesliga, zuerst bei Bayer Leverkusen und dann bei Bayern Munich, wonach er im letzten Jahr zu Inter wechselte.
Der Trainer
Dunga Wie Diego Maradona will Verri, dessen echter Name Carlos Verri ist, es Franz Beckenbauer nachmachen und einen WM-Sieg als Spieler und Trainer erlebt haben. Von den fünf WM-Siegen von Brasilien ist der Sieg vom Jahr 1994 wahrscheinlich der unbeeindruckendste, aber dennoch darf Dunga ein hochwertigere Mannschaft anführen als die Mannschaft bei der er Kapitän war. Als er Carlos Alberto Parreira nach den enttäuschenden Leistungen von 2006 ersetzte hatte er noch keinerlei Führungserfahrung. Dennoch konnte er Brasilien zum Sieg beim Copa America und dann beim Confederations Cup führen. Er konnte sich über den Einsatz von Ronaldhino trotz vielen kritischen Stimmen eine eigene Meinung bilden und souverän durchsetzen. Dieser WM-Sieg würde für ihn ein ganz besonderer Hattrick sein.
Geschichte
World Cup: Winners 1958, 1962, 1970, 1994, 2002. Finalists 1998.
Copa America: Winners 1989, 1997, 1999, 2004, 2007. Finalists 1983, 1991, 1995.
Confederations Cup: Winners 1997, 2005, 2009. Finalists 1999.
Analyse
Jedes Mal erwartet man, dass Brasilien mit dem WM-Pokal nach Hause zurückkehrt, was diesmal nicht anders sein wird, obwohl sich die Mannschaft Dungas in der deutlichen schwierigeren Gruppenhälfte des WM-Turniers befindet. Nur zweimal (1930 und 1966) konnte eine brasilianische Mannschaft nicht die Entscheidungsspiele meistern. Obwohl die Elfenbeinküste und Portugal den Brasilianer kein einfaches Spiel bieten werden sind sie immer noch die klaren Favoriten, welche die 16er-Runde an erster Stelle erreichen werden. Sie werden wahrscheinlich gegen Chile im ersten Entscheidungsspiel in Johannesburg antreffen. Die Brasiliener werden das Spiel trotz Widerstand Chiles mit Bravour meistern. Im Viertelfinal wartet Holland auf sie, was vielleicht an das fantastische Halbfinale vor 12 Jahren in Marseilles erinnert, welches durch ein nervenzerreisendes Penaltyschiessen entschieden wurde.
Urteil
Mannschaft: 4.5/5
Sie sind die besten Spieler, was sie auch bestens wissen. Brasilien darf sich sogar einer ganzen Auswahl hervorragender Torhüter bedienen. Leider ist ihre zentrale Verteidigung nicht unbedingt so sicher wie sie es gerne hätten.
Trainer: 4/5
Dunga ist ein Spitzname, der an den dümmsten der Sieben Zwerge erinnern soll. Der brasilianische Trainer ist alles andere als dumm, aber er wird all seine Stärke aufbringen müssen um sich den gigantischen Erwartungen seiner Fans und Unterstützer zu stellen.
Angriff: 5/5
Nur Spanien und Argentinien können Brasilien im Angriff das Wasser reichen. Die Mannschaft besitzt hier ein riesiges Arsenal an Talent.
Verteidigung: 3.5/5
Ihre Verteidigung kann sehr gut sein, was sie auch bei einem Freundschaftsspiel gegen England beweisen konnten. Dunga ist sich nicht sicher ob er Dida oder Cesar ins Tor stellen sollte.