Für ein Land, welches von einem Erdbeben schwere Schäden erlitt, wie vor ihrer Gastgeberrolle beim Finale im Jahr 1962, wird diese Weltmeisterschaft eine willkommene Ablenkung sein. Chile kann unterhaltsame Spiele aufbieten und sich dadurch die Erinnerung der letzten zwei verfehlten Qualifikationskampagnen wegwischen. Ihre Stärke befindet sich in einer Offensivkapazität, die sich rundum Humberto Suazo und Matias Fernandez dreht, die sich als ehrwürdige Nachfolger der Angriffspartnerschaft zwischen Salas und Zamorano verstehen, die seit 1990 zur Leistung Chiles deutliche Beiträge geleistet haben. Ihr argentinischer Trainer, Marcelo Bielsa, ist zwar für die horrende Leistung seines Heimatlandes im Jahr 2002 verantwortlich, darf es aber während der Weltmeisterschaft allen wiedergutmachen.
Der Weg nach Südafrika
Es war ein unterhaltsamer und gefährlicher Weg. Chile hat sich an der zweiten Stelle ihrer südamerikanischen Gruppe platziert, mehr Tore geschossen und mehr Spiele gewonnen als jede andere Mannschaft mit Ausnahme von Brasilien. Die ersten vier Spiele sahen dabei sehr steinig aus und man dachte, dass diese Qualifikation wie die letzten zwei verlaufen würde. Chile konnte nur ein Spiel gewinnen und verlor im Heimspiel gegen Paraguay. Das Blatt wendete sich im Spiel gegen Bolivien in La Paz, wobei Bolivien sich einen Höhenvorteil erfreute. Dann kamen zwei entscheidende Tore des defensiven Mittelfeldspielers Gary Medel, der sich einer guten Turnierleistung erfreuen darf. Danach konnten sie die restlichen acht Spiele gewinnen, was u.a. ein 1-0 Sieg gegen Argentinien in Santiago umfasste, was bei Bielsa sicher grosse Freude auslöste.
Die Spielmacher
Alexis Sanchez (Udinese) Im Alter von 21 Jahren wird dieser Junge vom weiten Norden Chiles als einer der grössten Mittelfeldtalente des Weltfussballs geschätzt. Wie Cristiano Ronaldo ist er auf dem Spielfeld zu grosser List fähig, was die Aufmerksamkeit von Manchester United auf ihn zog, obwohl Udinese ihn wohl so lang wie möglich werden behalten wollen.
Gary Medel (Boca Juniors) Sein Spitzname El Pitbull sagt schon alles was Sie über diesen aggressiven, hart angreifenden Mittelfeldspieler wissen müssen. Er hat sich seit seinem Wechsel zu den Boca Juniors zu mehr als nur ein zerstörerischer Mittelfeldspieler bewiesen und ohne seine Tore in La Paz würde Chile vielleicht überhaupt gar nicht an dieser Weltmeisterschaft teilnehmen können.
Arturo Vidal (Bayer Leverkusen Wie so viele von Bielsas Mannschaft erlangte Vidal bei der U20-WM in Kanada vor drei Jahren einen besonderen Ruf, wo Chile sich an dritter Stelle platzierte. Dann hatte er schon einen Wechsel von Colo-Colo, eines der zwei grossen Clubs von Chile, zu Bayer Leberkusen vereinbart, wo er oft vom Mittelfeld in die Verteidigung eingeschleust wird.
Der Trainer
Marcelo Bielsa Die Narben, die durch das Versagen Argentiniens sich für die Gruppenspiele in Japan vor acht Jahren zu qualifizieren, sind wohl noch nicht verheilt. Er war für diese Kampagne verantwortlich und als man ihn fragte ob dieses WM-Turnier ihm ein Mass Erlösung bieten könnte, schüttelte er seinen Kopf und sagte: "Nichts was ich je in der Zukunft erreichen werde wird diese Trauer jemals verbannen können." Dennoch konnte er Chile nach Südafrika auf beeindruckende Art und Weise führen, was man kaum von Argentinien unter der Führung Maradonas behaupten könnte. Er stammt aus einer Familie von Anwälten und Politikern und ist aufgrund von seiner Leidenschaft für den Fussball und seine Detailbesessenheit als "El Loco" (Deutsch: "Der Verrückte") bekannt.
Geschichte
World Cup: Semi-finalists 1962. Round of 16 1998.
Copa America: Finalists 1979. Semi-finalists 1999.
Analyse
Chiles Leistungsgeschichte seit ihrem Gastgebertunrier vor 48 Jahren sieht, gelinde gesagt, kläglich aus. 13 Spiele während vier Kampagnen zu gewinnen ist wohl eine Fehlleistung, die Chile schnell vergessen will. Wenn man sieht, dass ihr letztes Spiel gegen die klaren Favoriten von Spanien im Loftus Versfeld-Stadion in Pretoria stattfinden wird, als eine Mannschaft, die sie noch nie schlagen konnten, dann ist klar, dass sie alles möglichst schnell in den Griff bekommen sollten. Ihr Eröffnungsspiel in Nelspruit wird gegen Honduras sein und stellt somit das einfachste Spiel der Gruppenspiele dar. Dann reisen sie südwärts nach Port Elizabeth und werden im kritischsten Spiel der ganzen Kampagne gegen die Schweiz spielen müssen. Eine Zweitplatzierung innerhalb der Gruppe würde bedeuten, dass sie dann in Johannesburg Brasilien begegnen müssten. Brasilien schlug Chile zweimal während der Qualifikation und wird sie wohl wieder schlagen.
Urteil
Mannschaft: 3/5
Die Mannschaft ist jung, stark und fähig genug um die Eigendynamik aus der Qualifikationsskampagne aufrechtzuerhalten.
Trainer: 3/5
Marcelo Bielsas Detailbesessenheit diktiert, dass er sogar die Grösse des Fussballfelds selber messen muss. Er verdiente eine Wiedergutmachung für all die schmerzhaften Erlebnisse, die er im Jahr 2002 machen musste.
Angriff: 3/5
Die Anzahl Tore, die während der Qualifikation geschossen wurden, ist ein Beweis für die Wirksamkeit ihrer Frontlinie, die durch Fernandez, Sanchez und Suazo angeführt wird.
Verteidigung: 3/5
Sie werden wohl kaum sich auf das Niveau der Schlacht von Santiago herunterlassen, aber immerhin können sie ein unkompromissloser Haufen sein.