Wie eine Mannschaft, bekannt für ihre Eleganz und Vornehmlichkeit zu einem der führenden Bösewichten der Weltmeisterschaft wurde, lässt sich durch die Geschichte auf der Hand Galliens erklären. Die zweifache Berührung von Thierry Henry, welche zum Sieg über Irland in den Playoffs führte, beweist, dass sich die Mannschaft den Weg nach Südafrika ergaunert hat. Diese Mannschaft ist nicht die Mannschaft, die sie einmal war. Der Verfall ihrer Fähigkeiten seit dem Weltmeisterschaftsfinale in Berlin vor vier Jahren ist geradezu dramatisch. Sie wurden von der Euro 2008 in der Gruppe von Holland und Italien ohne grossen Widerstand eliminiert und haben sich unleidenschaftlich durch die Qualifikation durchgedümpelt. Ältere Spieler wie Patrick Vieira haben die besten Zeiten schon lange hinter sich, während das neue Talent, in der Person von Karim Benzema, noch niemanden beeindruckt hat. Frankreich erlitt einen demütigenden Schlag als sie nicht gesetzt wurden, obwohl sie kaum in eine einfachere Gruppe hätten platziert werden können.
Der Weg nach Südafrika
Beim kurvenreichen umstrittenen Weg nach Südafrika sollte es sich nicht um die Geschichte von Henrys Handball, sondern um die Tatsache handeln, dass eines der Grossmächte des weltweiten Fussballs ein Playoff benötigte. Frankreich hat nur ein Qualifikationsspiel verloren, 3-1 gegen Österreich in Wien während der Eröffnungsrunde. Danach folgten einige nicht besonders beeindruckende Spiele. Raymond Domenechs Mannschaft konnte weder im Heim- noch im Auswärtsspiel gegen Rumänien siegen und sich mit 1-0 einen knappen Sieg gegen Litauen ergattern. Die Gruppe, von der Serbien als Sieger hervorging, war tückisch, aber die Franzosen gaben den Eindruck, dass es sich um etwas übermässig kompliziertes handelte. Ihre Leistung im ersten Teil der Qualifkationsspiele waren genügend, aber nach Henrys Basketballeinlage geriet dies wieder in Vergessenheit.
Die Spielmacher
Nicolas Anelka (Chelsea) Trotz der Reichweite seiner Karriere, die von London nach Madrid, Paris, Istanbul und Bolton führte, wird dies das erste WM-Turnier dieses mysteriösen Spielers sein. Zum guten Glück ist er in beneidenswerter Form.
Hugo Lloris (Lyon) Die Handballeinlage Henrys hat leider die hervorragende Leistung des jungen französischen Torhüters überschattet. Währenddem das Auftreten Frankreichs im Turnier 2006 durch den Streit zwischen Fabien Barthez und Gregory Coupet bezüglich dem Torhüten geschädigt wurde, ging Lloris als klarer Sieger hervor.
Franck Ribery (Bayern Munich) Vielleicht der interessanteste Spieler in Domenechs Mannschaft. Er liebt es die Verteidigung der gegnerischen Mannschaft zu terrorisieren. Als einer der Starspieler des Turniers vor vier Jahren, führte sein Aussitzen aufgrund einer Verletzung zu einem düsteren Euro 2008-Resultat.
Der Trainer
Raymond DomenechFür einen Mann, der Frankreich unerwartet fast zum WM-Sieg vor vier Jahren durch ein Penaltyschiessen führte, verschwindet das Wohlwollen der Fans gegenüber dem Trainer Frankreichs. Das Leistungstief wurde während der Euro 2008 erreicht als Frankreich aus dem Turnier verschwand und Domenech jeden überraschte als er seiner Freundin den Heiratsantrag live vor aller Welt stellte. Mit seiner 2-0 Niederlage gegen Spanien im Stade de France forderten die anwesenden Fans lautstark seine Kündigung. Er interessiert sich stark für Astrologie und erinnerte sich an ähnliche Kritik bezüglich seiner Taktik und seinem merkwürdigen Auftreten während des 2006-Turniers, wo er allen Erwartungen widersprach.
Geschichte
World Cup: Winners 1998. Finalists 2006. Semi-finalists 1958, 1982, 1986
European Championship: Winners 1984, 2000
Confederations Cup: Winners 2001, 2003
Analyse
Wäre Frankreich in einer tatsächlich noch schwierigen Gruppe, würden echte Zweifel bestehen, ob die Mannschaft überhaupt die Eliminationsrunden überstehen könnte. Es ist nicht so, dass Frankreich eine schlechte Mannschaft ist, sondern, dass die Mannschaft nicht die Summe all seiner Teile ist. Jean Alain Boumsong hat bei Newcastle bewiesen, dass er ein ziemlich durchschnittlicher Verteidiger ist und Patrick Vieira scheint im Alter von 33 Jahren nicht der geborene Anführer der Blauen zu sein. Zudem hängt ein grosses Fragezeichen über dem Trainer, dessen sich nirgends im französischen Fussball wiederfindet. Dennoch besitzt die Mannschaft zu viel rohes Talent, um eine Wiederholung des Debakels in Korea 2002 zu erwarten. Die Koreaner werden die wahrscheinlichsten Gegner im ersten Eliminationsspiel sein. Sollten die Koreaner besiegt werden können, wird Frankreich im Viertelfinal in Johannesburg auf die Engländer treffen. England hat eine bessere Mannschaft, aber die Franzosen sind sich grosse, überraschende Siege gewöhnt.
Urteil
Mannschaft: 3.5/5
Vielliecht ist es die Abwesenheit von Zinedine Zidane, welches die Spieler etwas unspektakulär erscheinen lässt. Die Euro 2008 zeichnete sich als das Ende eines grossen Zeitalters des französischen Fussballs aus. Grössen wie Ribery und Benzema zu trotz sehen ihre Nachfolger etwas zweitklassig aus.
Trainer: 2/5
Ein hartes Urteil für einen Mann, der alle Skeptiker in Deutschland überraschte. Er hätte aber das Signal von der katastrophalen Euro 2008-Leistung wahrnehmen müssen, um aus dem Fussball auszusteigen und seiner Leidenschaft als Amateurdramatiker nachzugehen.
Angriff: 3.5/5
Der Dreizackangriff von Henry, Anelka und Ribery sieht nicht nur schön aus, sondern hat bisher kaum Erfolge mit sich gebracht. Das Talent ist sicherlich vorhanden und könnte, falls man es richtig einsetzt, sehr wirksam sein.
Verteidigung: 3/5
Falls Hugo Lloris als Torhüter und Patrice Evra in der Verteidigung eine Klasse für sich in der WM darstellten, kann man nicht dasselbe für Buomsong oder Julien Escude sagen. Und die Verteidigung Vieiras ist nich mehr das, was sie einmal war.