Die Grossmacht des afrikanischen Fussballs hätte bei einer Weltmeisterschaft auf afrikanischem Boden unter den Favoriten sein müssen. Leider kamen all die Mängel und Probleme des nigerianischen Fussballs an die Front, als der Countdown für Südafrika sich näherte. Egoistischer Streit, leistungsschwache Spieler, Trainer, die ohne Vorwarnung gefeuert wurden, haben alle zu einem Chaos in Laos geführt. Falls die Spieler mit ihrem vollen Flair spielen können sieht man aber keine Gründe warum sie dieser Gruppe nicht entwischen könnten. Obafemi Martins, John Mikel Obi, Yakubu und Joseph Yobo stellen immer noch ausserordentliche talentierte Gruppe von Individuen dar, aber niemand weiss, ob sie wirklich teamfähig wenns drauf ankommt.
Der Weg nach Südafrika
Da Nigeria keine Niederlage erlitt und keinerlei Fehler während vier der sechs Spiele machte, war der Weg nach Südafrika überraschend beunruhigend. Da nur eine Mannschaft aus der Gruppe B als Sieger hervorgehen konnte, führte dies zu einem anspruchsvollen Kampf zwischen Nigeria und Tunesien. Danach gingen die Super Eagles zum letzten Match gegen Kenya in Nairobi. Mit einem unentschiedenen 2-2 konnte Martins innert der letzten acht Minuten mit einer hervorragenden Einlage punkten. Leider war dies nur der Anfang ihrer Probleme.
Die Spielmacher
Ikechukwu Uche (Real Zaragoza) Hat bisher mehr Tore als irgendein anderer Spieler während der Qualifikation geschossen, sowie fast ein Jahrzehnt in Spanien mit Ferrol, Recrativo Huelva und Getafe verbracht, obwohl er durch eine Knieverletzung Einschränkungen erleiden musste.
Joseph Yobo (Everton) Der Verlust des zentralen Verteidigers, Yusuf Mohammed, der ein Achillessehnenriss während dem Africa Cup of Nations erlitt, bedeutet das, dass auf einem Mann, der schon seit einem Jahrzehnt die zentrale Figur des nigerianischen Fussballs ist, eine noch höhere Erwartungshaltung zukommt.
Victor Obinna Nsofor (Malaga) Einer der wenigen Pluspunkte der mangelhaften Gesamtleistung Nigeriens während dem Africa Cup of Nations. Nsofor ist als Stürmer so kompetent, dass von Inter Milan gekauft und dann nach Malaga vermietet wurde.
Der Trainer
Lars Lagerbäck Falls Sie dachten, dass Argentinien im Chaos steckte, dann sieht Diego Maradonas Mannschaft im Vergleich zu Nigerien ausserordentlich ruhig und stabil aus. Wie anno dazumal vor der Weltmeisterschaft 2002 hat Nigeria den Trainer gefeuert, der sie letztendlich zur WM führte, und es war derselbe Mann, Shaibu Amodu, der damals gefeuert wurde. Amodu war für die zunächst schwierige, unbeeindruckende Qualifkation sowie die mangelhafte Leistung beim Africa Cup of Nations verantwortlich. Da die Spitzenleistung Nigeriens 1994 und 1998 mit ausländischen Trainern erreicht wurden, suchte man einen Ersatztrainer fernab der eigenen Landesgrenzen. Sie engagierten Lars Lagerback, der Schweden zu zwei Weltmeisterschaften führte, auch 2002 als Schweden sich auf Kosten Nigeriens qualifizierte. Leider konnte er Schweden nicht nach Südafrika führen, eine Ironie, die Amodu seinen Trainerposten gekostet hätte.
Geschichte
World Cup: Round of 16 1994, 1998.
Africa Cup of Nations: Winners 1980, 1994. Runners-up 1984, 1988, 1990, 2000.
Analyse
Als Shaibu Amodu zum vierten (und wahrscheinlich zum letzten) Mal seine Aufgabe als Cheftrainer antrat, sagte er, dass er mit einer Gruppe von Individuen, statt von einem Team, begegnet wurde. Sollte man die Super Eagles motivieren können, könnten sie ihr Talent entfalten, wovor sich Argentinien beim Eröffnungspiel in Ellis Park in Acht nehmen müsste. Sollten sie unvorsichtig sein oder sollte Nigerien einer demoralisierenden Niederlage ausweichen können, sehen die restlichen Spiele, besonders das zweite Spiel gegen Griechenland in Bloemfontein, durchaus gewinnbar aus. Nigerien besitzt das nötige Talent... aber ist der nötige Glaube an sich selbst vorhanden?
Urteil
Mannschaft: 3/5
Nigerien besitzt genug Können, was sie aber kaum anwenden.
Coach: 2/5
Lagerback ist der Aufgabe gewachsen, muss sich aber innert zwei kurzen Wochen mit seiner Mannschaft verständigen können.
Angriff: 3/5
Sie können Torschüsse aus dem Nichts hervorzaubern.
Verteidigung: 2/5
Sieht schwach aus.