Diejenigen, die ein gutes Gedächtnis haben, werden Algerien Glück wünschen. Vor 28 Jahren wurden sie unter geradezu beschämenden Umständen eliminiert als Westdeutschland (die sie 2-1 in Gijon besiegt hatten) und Österreich gegenseitig vereinbarten einen Spielverlauf zu vollbringen, der ihnen den Durchgang auf Kosten der Algerier sichern sollte. Algerien schaffte es vier Jahre später nach Mexiko und gewann 1990 den Africa Cup of Nations. Doch führte der Bürgerkrieg zu einer Schwächung des dortigen Fussballs. Erst jetzt werden sie wieder zu einer Grossmacht des afrikanischen Fussballs. Nach einem der intensivsten Entscheidungsspiele der Geschichte des Turniers konnten sie sich den Weg nach Südafrika sichern, was im Sieg gegen Ägypten endete und diplomatische Beziehungen zwischen Algiers und Kairo eine zeitlang lahm legte. Gegenüber dem Druck, den sie bei diesem Spiel verspürt hatten, wird dieses WM-Turnier nicht annähernd so belastend sein.
Der Weg nach Südafrika
Es war schwierig und wird, Schritt für Schritt, immer schwieriger. Algerien haben sich nicht in den ersten Gruppenspiele platziert, aber sie hatten sich einen Vorsprung vor Senegal und Gambia um einen einzigen Punkt verschafft. Im zweiten Gruppenspiel mussten sie gegen Ägypten antreten, eben eine Grossmacht im afrikanischen Fussballs. Die beiden Mannschaften erreichten gleich viel Punkte, was zu einem Entscheidungsspiel in Khartoum führte bei der Algerien 1-0 unter enormem Druck siegte. "Dies ist die Gerechtigkeit Gottes, die uns heute zuteil wurde, nach all dem was wir durchmachen müssten," sagte ihr Stürmer Rafik Saifi, was ihm wohl wenige abstreiten würden.
Die Spielmacher
Antar Yahia (Bochum) Während fast 200 Spielauftritten für Bastia und Bochum konnte er weniger als zehn Tore schiessen, was seinen Siegesschuss beim Entscheidungsspiel in Khartoum für den in Frankreich geborenen Verteidiger nur versüsste.
Nadir Belhadj Ein Mitspieler Yahias im französischen Jugendfussball, Belhadj konnte sich in Frankreich nicht entfalten, hat sich bei Portsmouth sehr gut entwickelt, nachdem er von Lens ihnen ausgeliehen wurde. Seine Bestrafung während dem Africa Cup of Nations bedeutet, dass er die ersten zwei Spiele Algeriens aussitzen muss.
Faouzi Chaouchi (ES Setif) Hätte Algeriens bevorzugter Torhüter Lounes Gaounaoui keine Gesundheitsprobleme, dann wäre ihm dieses Turnier eher langweilig ausgefallen. Dennoch wird er nach seiner heldenhaften Leistung beim Entscheidungsspiel in Khartoum kaum zu ignorieren sein.
Der Trainer
Rabah Saadane Niemand weiss mehr über den algerischen Fussball als dieser Mann. Er war Stabstrainer als sie durch das beschissene "Anschlussspiel" Österreichs und Deutschland beim WM-Turnier 1982 ausscheiden mussten. Vier Jahre später hat er die Mannschaft in Mexiko geführt. Seine Leistung Algerien nach Südafrika zu bringen sowie eine Halbfinalteilnahme beim diesjährigen Africa Cup of Nations sind nicht minder beachtenswert.
Geschichte
World Cup: Group Stages 1982, 1986
Africa Cup of Nations: Winners 1990
Analyse
Saadane fasste die WM-Ambitionen der Algerier perfekt zusammen: "Unser Ziel war es, dass unsere jungen Spieler überhaupt zum WM-Turnier gelangen konnten. Nachdem sie dieses Ziel nun geschafft haben stehen sie unter keinerlei Druck. Wir möchten jetzt mit den besten Mannschaften der Welt jede Menge Spass haben." Sie werden sicher Spass haben. Zweifelhaft ist ob sie überhaupt werden punkten können, aber es ist dennoch schön, dass sie überhaupt dabei sind nach all dem was sie durchmachen mussten.
Urteil
Mannschaft: 2/5
Leider fehlt die Qualität, da die Mannschaft sich zu sehr auf zweitrangige Spieler des französischen Fussballs stützt.
Trainer: 5/5
Sein Platz im algerischen Fussball ist sicher und nichts, ausser einer absolut schämenden Niederlage in Südafrika, wird diesen verunsichern.
Angriff: 2/5
Jung und ohne wirkliches Schwergewicht ist es wahrscheinlich der Grund warum Algerien im Auswärtsspiel währen der Qualifikation so grosse Mühe hatte.
Verteidigung: 3/5
Stark und wirksam, dies ist eine Mannschaft die weiss wie man sein Tor verteidigt. Sie haben wie um ihr Leben in Khartoum gespielt um keine Punkte einstecken zu müssen.