Nach einer wahrlich schrecklichen WM-Leistung und einer Niederlage bei der EM 2008-Qualifikation schienen die guten alten Zeiten der "Goldenen Generation" Englands vorbei zu sein. Doch konnte Fabio Capello ein Mass an Disziplin und Ordnung wiederherstellen, auch wenn der Italiener die Kapitänschaft John Terrys liquidieren musste, nachdem offenbart wurde, dass dieser eine Affäre mit der ehemaligen Partnerin seines Mannschaftskollegen Wayne Bridge hatte. Die Verletzung von Ashley Cole und die Weigerung Bridges mit Terry in Südafrika zusammenzuspielen haben die Mannschaft geschwächt. Auch fehlt der Mannschaft einen wirklich erstklassigen Torhüter. Ein enormer Druck lastet auf Rooney und das altgewiefte, ausgezeichnete Mittelfeld, dass durch Gareth Barry verankert und von Frank Lampard und Steven Gerrard unterstützt wird. England sollten es bei dieser Weltmeisterschaft weit schaffen, obwohl die Chancen für einen WM-Sieg nicht gut aussehen.
Der Weg nach Südafrika
Da sie sich für die EM 2008 aufgrund von Niederlagen gegen Kroatien nicht qualifizieren konnten, hatte man erwartet, dass die Begegnung mit Slaven Bilics Mannschaft Grund zur Sorge hätte sein können. Stattdessen verpassten die Engländer den Kroaten zwei verheerende Niederlagen und gewannen 4-1 in Zagreb sowie 5-1 in Wembley. Die anderen Matches folgten wie erwartet u.a. ein Sieg gegen Belarus in Minsk durch Rooney. Eine Spitzresultat wurde lediglich durch eine Niederlage gegen die Ukraine verhindert. Dennoch konnte Fabio Capellos Mannschaft die Gruppe mit beeindruckender Siegessicherheit überstehen.
Die Spielmacher
John Terry (Chelsea) Dieser Mann, der im gleichen Stadtviertel in Ostlondon von Bobby Moore aufwuchs, hätte auch vom Empfang des WM-Pokals als Kapitän träumen dürfen. Das Wayne Bridge-Debakel hat diesem Traum ein Ende gesetzt, was dieses Turnier zu einer Prüfung seiner mentalen Stärke werden lässt.
Robert Green (West Ham) Die Tage, in denen sich die Trainer Englands auf erstklassige Torhüter verlassen konnten, sind gezählt. Entweder Green oder David James werden das Tor hüten, aber beide verfärben leider die Leistungen der Spitzenklasse mit Routinefehlern.
Peter Crouch (Tottenham) Auf internationalem Niveau bleibt er einer der besten Torschützen, die England jemals hatte und findet bei jedem zweiten Spiel erfolgreich das Tor. Zum Teil liegt dies an seiner Grösse (er ist knapp zwei Meter gross), aber hauptsächlich liegt es an seinem überraschenden Talent mit dem Ball zauberhaft umgehen zu können.
Der Trainer
Fabio Capello Das Wachwort der Engländer in Südafrika heisst "Disziplin". Die Nutzung von Handys ist eingeschränkt, sie alle essen gemeinsam und es wird auch keinen Medienzirkus rundum deren Frauen und Freundinnen wie vor vier Jahren in Deutschland geben. Capellos Ruf war ausgezeichnet als er nach England kam, da er AC Milan in die Champions League geführt und La Liga zweimal mit Real Madrid gewonnen hatte. Sein Vorantreiben der Engländer hat seinen Ruf nur verbessert.
Geschichte
World Cup: Winners 1966. Semi-finalists 1990
European Championship: Semi-finalists 1968, 1996.
Analyse
Die Engländer sind weniger arrogant als vor vier Jahren und haben endlich realisiert, dass ihnen ein internationaler Sieg noch lange verwehrt sein wird, wenn sie nicht bei diesem Turnier Spitzenleistungen vollbringen. Doch ist ihre Gruppe, wie erwartet, nichts besonderes. Die 16er-Runde sieht etwas anders aus, da sie hier gegen Deutschland, Serbien, Ghana oder Australien antreten müssten, wonach sie im Viertelfinal vielleicht gegen Frankreich in Johannesburg ins Stocken kommen könnten. Normalerweise endet ihre WM-Teilnahme im Viertelfinal, aber diese Mannschaft hat die Substanz, um sich gegen die etwas unberechenbaren Franzosen durchzuschlagen.
Urteil
Mannschaft: 4/5
Trotz der Schwächen dieser Mannschaft beim Verteidigen und Torhüten sind sie eine doch ausgeglichene und sehr disziplinierte Mannschaft, die es diesmal weit schaffen könnte.
Trainer: 5/5
Es gäbe niemanden, der besser dazu in der Lage wäre England zu führen als dieser italienischer Kunstliebhaber. Das Highlight seiner bisherigen Karriere war die Führung von Milan bei ihrem vernichtenden 4-0 Sieg über Barcelona im 1994 Champions League-Finale. Dieses Turnier könnte sogar diese Spitzenleistung übertreffen.
Angriff: 4/5
Es gibt viele Angriffsoptionen, die sich um Wayne Rooney, Peter Crouch und Jermain Defoe drehen, die all ihren Ruf auswärts verdienten. Gerrard und Lampard können ihnen die Torschüsse aus dem Mittelfeld ermöglichen.
Verteidigung: 3/5
Rio Ferdinand und John Terry haben einiges zu bieten, aber die Verletzung Coles bedeutet, dass niemand die hinterste Position wirklich beherrscht. Die prekäre Lage wird durch das Fehlen eines begabten Torhüters nur verschärft.