Mit Ausnahme von Mexiko hatte noch keine zentralamerikanische Mannschaft ein leichtes Spiel während einer Weltmeisterschaft. Man nehme die verheerende Niederlage von El Salvador gegen Ungarn um zehn Tore als Beispiel. Nichtsdestotrotz stellt Honduras eine abgehärtete Mannschaft dar, die einige qualitativ hochwertige europäische Spieler engagiert. Leider sieht ihre Verteidigung, mit Ausnahme des enorm talentierten Maynor Figueroa, eher schwach aus, da diese Verteidigung hauptsächlich aus einheimischen Spielern ohne internationale Erfahrung besteht. All ihre Spiele finden über Meereshöhe statt, was ihnen zum Nachteil werden könnte, da ein Grossteil der Frontspieler Reinaldo Ruedas über 30 Jahre alt sind. Das Eröffnungsspiel gegen die Schweiz in Bloemfontein
Der Weg nach Südafrika
Honduras konnte sich die Reise nach Südafrika sichern, weil sie Tore im entscheidenden Moment schiessen konnten, u.a. durch die Sturmpartnerschaft von Carlos Pavon und Carlo Costly, die unter sich insgesamt neun Tore schiessen konnten. Ihre WM-Leistung lässt sich vielleicht von ihrer bisherigen Leistung ableiten, wo sie z.B. zweimal gegen Mexiko während der ersten und zweiten Gruppenphase siegten. Costly und Pavon schossen in San Pedro Sula drei Tore und das Spiel in Azteca verlor Honduras nur aufgrund eines späteren Penaltyschusses. Auch verloren sie gegen den USA 2-1 in Chicago und 3-2 im Heimspiel. Die Knappheit dieser Niederlagen werden wohl Rueda beim Eröffnungsspiel ein Mass Hoffnung spenden.
Die Spielmacher
Maynor Figueroa (Wigan) Was auch immer in Südafrika passiert, wird dieser abenteuerliche Verteidiger für sein spektakuläres Tor aus der eigenen Hälfte während der jetzigen Saison bei Wigan gegen Stoke in der Premier League in Erinnerung bleiben. In Anbetracht der Schwäche seiner Verteidigungspartner wird sein Trainer ihn wohl kaum zu weit vorne platzieren wollen.
Carlo Costly (Vaslui) Sein Vater, Anthony, durfte Honduras beim WM-Turnier 1982 vertreten. Nach 28 Jahren darf sein Sohn es ihm nachmachen. Seine Zusammenarbeit mit Carlos Pavon war von zentraler Bedeutung für die Qualifikation von Honduras. Nachdem er in Mexiko aufwuchs fing er bei Belchatow in Polen an und spielt jetzt in Rumänien bei Vaslui nach einer kurzen Ausleihphase bei Birmingham.
Amado Guevara (Motagua) Im Alter von 34 Jahren wird dieser Mann, der über 130 Caps für sein Land gewonnen hat, immer noch ein zentraler Bestandteil des Mittelfelds von Honduras sein. Das Highlight seiner Karriere war zweifelsohne die Führung von Honduras zum Halbfinale des Copa America im Jahr 2001, wo sie auf ihrem Weg dorthin so ganz nebenbei über Brasilien siegen durften.
Der Trainer
Reinaldo Rueda Ein ehemaliger Universitätsprofessor, der ein Masterdiplom im Fach der sportlichen Ausbildung besitzt, hat Rueda noch nie für sein Heimatland, Kolumbien, gespielt, aber sich einen Namen bei den Jungmannschaften des Landes gemacht. Vor der Qualifikation von Honduras war das Highlight seiner Karriere die Drittplatzierung Kolumbiens bei der Jugendweltmeisterschaft vor sieben Jahren. Danach wurde er zum Trainer der Nationalmannschaft Kolumbiens befördert. Obwohl sie sich beim Copa America gut schlugen konnten sie sich trotz allen Bemühungen nicht die Qualifikation für die Weltmeisterschaft in Deutschland sichern, was zu seinem Abgang führte. Der Verlust Kolumbiens wurde für Honduras zum Vorteil.
Geschichte
World Cup: Group stages 1982.
Copa America: Semi-finalists 2001.
Concacaf Gold Cup: Finalists 1991. Semi-finalists 2005, 2009.
Analyse
Obwohl die Mannschaft langsam ihre Altersspuren zeigt und Schwächen in der Verteidigung besitzt sind sie keine einfachen Leichtgewichte. Ihre Angriffskapazität mag langsam alt sein, aber Mexiko musste entdecken, dass sie immer noch für eine Überraschung gut sind. Vieles hängt natürlich vom Eröffnungsspiel gegen die Schweiz in Bloemfontein ab und ihr Spiel gegen Chile in Nelspruit wird wahrscheinlich nicht besonders positiv ausfallen. Sie konnten die Mannschaft Spaniens schon einmal in Panik versetzen, aber die diesjährige Mannschaft Spaniens ist deutlich stärker als die Gastgebermannschaft im Jahr 1982. Ein Durchgang ihrerseits wird sehr schwierig, aber auch nicht unmöglich sein.
Urteil
Mannschaft: 2/5
Sie konnten sich während der Qualifikation überraschend gut zusammenhalten, aber werden sie den Druck des wohl wichtigsten Fussballturniers der Welt gerecht widerstehen können?
Trainer: 3/5
Ein ruhiger, disziplinierter Trainer, der seine Zeichen auf eine Mannschaft setzte, die ihr Talent aufgrund mangelnder Koordination nicht richtig einzusetzen wusste.
Angriff: 2.5/5
Wären die Spieler um einige Jahre jünger, wäre die Angriffsfront von Honduras sicher beeindruckender, aber die Zeit fordert langsam aber sicher ihren Tribut.
Verteidigung: 1.5/5
Eine grosse Schwäche der Mannschaft. Die Spieler geniessen kaum Kontakt zu einander, da sie entweder in der 2. Division in China oder in einheimischen Clubs in der Eigenliga von Honduras spielen.