Im März zeigte Manchester United in Old Trafford was mit einer talentierten Mannschaft passieren kann, wenn sie zusammen alle alt werden. Italien wird wohl kaum das Turnier wegen einer 4-0 Niederlage à la Milan verlassen müssen, aber die Hauptspieler von Marcello Lippis Mannschaft, die vor vier Jahren den WM-Pokal aus Berlin heimholten, zeigen erste Altersspuren. Buffon, Cannavaro, Gattuso, Pirlo und Luca Toni sind jetzt alle über 30 Jahre alt. Der 62-jährgie Lippi wurde von den Medien dafür kritisiert, dass er das unberechenbare Talent von Inter Milans 19-jährigem Mario Balotelli grösstenteils ignoriert.
Der Weg nach Südafrika
Ein Blick auf die Gruppentabelle macht klar, dass sie eine einfache Qualifikation bei einer nicht so einfachen Gruppe geniessen konnten. Aber bei genauerem Hinsehen sieht es so aus als ob die Azzurri doch gewissermassen Mühe hatten. Nur einmal konnten die Italiener mehr als zwei Tore während einem Spiel schiessen, nämlich im Heimspiel gegen Zypern, was vielleicht daran lag, dass die Zyprioten nach 48 Minuten 2-0 im Vorteil lagen. Italiens zwei Lieblingsgegner waren Bulgarien und die Mannschaft Irlands, die durch ihren Ex-Trainer, Giovanni Trapattoni geführt wurde. Drei dieser Spiele waren unentschieden und die Qualifikation sieht nur einfach aus, weil sie die qualitativ niederwertigeren Mannschaften überrumpeln konnten.
Die Spielmacher
Alberto Gilardino (Fiorentina) Jeder, der ihn beim Tor während der Extrazeit gegen Anfield gesehen hat, kann bestätigen, dass er normalerweise erst recht spät im Spielverlauf Tore schiesst. Es war sein Tor in der 89. Minute gegen Irland das ihnen die Reise nach Südafrika definitiv sicherte. Der Gnadenschuss kam als er in den letzten 13 Minuten gegen Zypern einen Hattrick schoss.
Fabio Cannavaro (Juventus) Im Alter von 36 Jahren wird es sicher das letzte Abenteuer dieses grossen Verteidigers sein, der schon vor 13 Jahren zum ersten Mal seinen Platz in dieser Nationalmannschaft einnehmen durfte. Den WM-Pokal in Berlin sowie Johannesburg emporzuheben wird ein Riesenerfolg für einen Spieler sein, der 2006 zu einem Symbol des italienischen Fussballs nach dem Calciopoli-Debakel wurde.
Vincenzo Iaquinta (Juventus) Gross und stark in der Luft sowie auf dem Boden, Iaquinta ist kein typischer italienischer Stürmer, aber er konnte während der letzten Weltmeisterschaft seine Wirksamkeit mehr als beweisen. Seine Abwesenheit aufgrund einer Verletzung wird wohl ein Grund für die schlechte italienische Leistung während der EM 2008 sein.
Der Trainer
Marcello Lippi Im Fussball sagen alle, dass man niemals zur gleichen Mannschaft zurückkehrt. Der urbane, zigarrenrauchende Lippi hat diese Binsenweisheit schon zweimal ignoriert und daraus grosses Kapital geschlagen. Nach einem schlechten Engagement bei Inter Milan kehrte er zu Juventus zurück wo er drei aufeinanderfolgende Finale der Champions League zwischen 1996 und 1998 erleben durfte. Seine vierte Champions League Finalteilnahme mit Juventus führte 2003 zu einer Niederlage gegen AC Milan. Er führte Italien zu einer vierten WM-Teilnahme und verbesserte dabei laufend die Leistung der
Geschichte
World Cup: Winners 1934, 1938, 1982, 2006. Finalists 1970, 1994. Semi-finalists 1990.
European Championship: Winners 1968. Finalists 2000.
Analyse
Nur Brasilien konnte 1962 ihren WM-Titel erfolgreich verteidigen. Mit Ausnahme von Frankreich 2002 konnten die Titelverteidiger immer die Entscheidungsspiele überstehen und zwei davon, Argentinien und Brasilien, konnten bei ihrer Titelverteidigung das Finale erreichen. Für Italien wäre ein Finale eine Superleistung. Obwohl ihre Gruppe eher einfach ist, zeigt die Mannschaft erste Altersspuren und besitzt kaum frisches Jungtalent, welches die alte Garde, die 2006 den WM-Sieg holte, auffrischt. Italien sollte, wie erwartet, als klarer Sieger ihrer Gruppe hervorgehen und dann während der 16er-Runde wahrscheinlich auf Kamerun oder Dänemark treffen. Lippis Spieler werden sich siegessicher fühlen. Im Viertelfinale treffen sie dann wahrscheinlich in Johannesburg auf Spanien, die für ihr Abgang von der EM 2008 verantwortlich waren. Italien wird dabei alle Register ziehen müssen.
Urteil
Mannschaft: 3.5/5
Da dies letztendlich dieselbe Mannschaft ist, welche den WM-Sieg 2006 schaffte, bringen sie einen grossen Erfahrungsvorteil mit, leider aber wegen dem hohen Alter einige ihrer Spieler.
Trainer: 5/5
Indem er die Champions League, die Weltmeisterschaft und die Scudetto gewann hat Lippi sich als einer der grössten Trainer seines Landes etabliert. Eine Wiederholung dieser Leistungen würde dafür sorgen, dass er als Legende in die Fussballgeschichte eingeht.
Angriff: 3/5
Luca Toni, Iaquinta und Inzaghi sind eine hervorragende Kombination, obwohl viele Kommentatoren sicher jüngere Spieler interessanter finden würden.
Verteidigung: 4/5
Keine Mannschaft verteidigt ihr Tor wie die Italiener und die Erfahrung, die sie durch die A-Serie gewonnen haben, wird während der WM-Kampagne Früchte tragen.