Es gibt wohl kaum eine Mannschaft, die vor mehr Herausforderungen in Südafrika steht als Japan. In einer solch gefährlichen Gruppe wären sie sicher mit einem Überstehen der Gruppenspiele sehr zufrieden, obwohl sie sich eine Halbfinalteilnahme als Ziel vorgenommen haben. Ihr Trainer ist selbstbewusst und die Mannschaft ist diszipliniert, aber sie konnten Australien weder im Heim- noch im Auswärtsspiel während der Qualifikation besiegen. Dies bestätigte die Annahmen vieler Zuschauer, dass die japanische Mannschaft einfach keine wirklich entscheidende Vorteile besitzt. Japan ist seit langer Zeit ein regelmässiger WM-Teilnehmer und konnte sich für die letzten vier Turniere qualifizieren, obwohl sie nur in ihrer Gastgeberrolle zu wirklich guten Leistungen fähig waren. Und auch dann wurden sie immer noch durch Südkorea besiegt.
Der Weg nach Südafrika
Wenn man sieht, dass sie zusammen mit Australien sich gut qualifizieren konnten, nicht zuletzt weil sie sich in derselben Gruppe wie Bahrain, Usbekistan und Qatar befanden. Also kam deren Qualifikation kaum als Überraschung, aber die Kampagne Japans war völlig unbeeindruckend. Sie konnten im Heimspiel nur ein Unentschieden gegen Qatar, Usbekistan und Australien bestehen, aber sie mussten im Auswärtsspiel gegen Australien eine Niederlage von 2-1 bei ihrem letzten Qualifikationsspiel in Melbourne einstecken. Interessant ist, dass Japan nur Punkte beim letzten Spiel gegen Australien abgeben musste.
Die Spielmacher
Keisuke Honda (CSKA Moscow) Dieser einfallsreiche Mittelfeldspieler wird während der ersten Turnierwoche 23 Jahre alt werden und wird aufgrund seiner Leistung für CSKA einer der gefährlichsten japanischen Spieler in Südafrika sein. Er schoss das Tor, welches für den überraschenden Sieg gegen Seville während der Champions League verantwortlich war.
Yuji Nakasawa (Yokohama Marinos) Sein langes Haar und seine grazievolle Spielweise haben dafür gesorgt, dass er mit mehr als 100 internationalen Toren zu einer der wiedererkennbarsten Figuren des japanischen Fussballs wurde. Er hat den Grossteil seiner Clubkarriere in Japan verbracht und er ist seitdem er nicht für die WM-Teilnahme 2002 ausgewählt zum Glück der Ankerpunkt der japanischen Verteidigung.
Marcus Tulio Tanaka (Nagoya Grampus) Im Alter von 15 Jahren zog der in Brasilien geborene Tulio nach Japan und etablierte sich als durchaus fähiger Verteidiger bei den Urawa Red Diamonds bevor er nach einem Streit mit der Clubleitung nach Nagoya zog. Auf der internationalen Bühne hat er sich nicht nur als Verteidiger, sondern auch als Torschütze einen Namen gemacht. Er schiesst durchschnittlich ein Tor pro fünf Spiele für Japan.
Der Trainer
Takeshi Okada Japans Trainer hat sich mit einer Halbfinalteilnahme in Südafrika ein hohes Ziel gesetzt. Er könnte sich vielleicht an den schottischen Trainer Ally McLoed zurückerinnern, der sagte, dass er mit dem Pokal nach Hause zurückkehren würde, und dabei mit seiner Mannschaft während den Gruppenspielen vom Turnier ausschied. Okada führte Japan während dem WM-Turnier 1998 wo sie keinen einzigen Punkt einholen konnten und das Engagement 2007 wieder aufnahm, nachdem Ivica Osim an einem Hirnschlag gelitten hatte. Seine WM-Vorbereitungen wurden durch das Fehlen vieler der europäischen Spieler Japans negativ beeinflusst und die torlosen, unentschiedenen Freundschaftsspiele gegen Venezuela und China wecken keine grossen Hoffnungen.
Geschichte
World Cup: Round of 16 2002.
Asian Cup: Winners 1992. 2000, 2004
Confederations Cup: Finalists 2001.
Analyse
In einer solchen Gruppe sieht Japan nicht besonders gut aus. Hätte Takeshi Okada gesagt, dass das Ziel keine Halbfinalteilnahme, sondern lediglich die 16er-Runde zu erreichen wäre, dann würden sie immer noch vor einer grossen Herausforderung stehen. Die unbeeindruckende Qualifikation und die mangelhafte Leistung der Mannschaft bei den letzten Freundschaftsspielen führten dazu, dass der japanische Fussballverband Okada klar machte, dass eine Wiederholung dieser schwachen Spielart während dem WM-Turnier zu seiner umgehenden Kündigung führen würde. Sie müssen alle Register beim Eröffnungsspiel gegen Kamerun in Bloemfontein ziehen, da das zweite Spiel gegen Holland in Durban wohl keine leicht verdauliche Erfahrung sein wird.
Urteil
Mannschaft: 2/5
Die Mannschaft besitzt einfach nicht das Spieltalent, um bei einer solch schwierigen Gruppe überhaupt viel Fortschritt machen zu können. Vieles hängt von Nakamura und Honda ab.
Trainer: 2/5
Okada erfreut sich aufgrund seines taktischen Geschicks in Japan grosser Berühmtheit und mit besseren Spielern wäre er sicher ein besserer Trainer. Zweifelhaft ist ob der japanische Fussballverband ihm überhaupt viel Vertrauen schenkt.
Angriff: 1.5/5
Dies ist keine Mannschaft, die überhaupt viele Tore schiesst. In Frankreich konnten sie sich einen Tor schnappen, in Deutschland waren es zwei. Drei Tore in Südafrika wären eine Sonderleistung.
Verteidigung: 3/5
Eine solide, gut organisiete Verteidigung, die in der Form von Tulio und Nakasawa zugleich zwei der besten Fussballspieler Japans beinhaltet.