Ohne Mexiko wäre es keine Weltmeisterschaft. Dies ist ihr 14. Turnier, eine Statistik, bei der nur Brazilien, Italien oder Argentinien mithalten können. Nachdem die Mannschaft während den letzten zwei Jahren drei Trainer verliessen, sind sie nicht in Topform zum Turnier angekommen. Die Kündigung von Hugo Sanchez und seinen Ersatz durch Sven-Goran Eriksson wurde zum Desaster, welches nur durch die Wiederaufnahme des altgedienten Trainers Javier Aguirre und Mittelfeldveteran Cuauhtemoc Blanco gerettet werden konnte. Bis anhin war die Kehrtwendung so schnell wie beeindruckend, was Mexiko zum wahrscheinlichsten Mitsieger Frankreichs in der Eliminationsrunde machen wird. Dennoch hat sich Aguirre höhere Ziele gesetzt, da Mexiko noch kein Viertelfinal ausserhalb der eigenen Landesgrenzen erreicht hat und dieses Ziel jetzt endlich in Reichweite zu sein scheint.
Der Weg nach Südafrika
Warum qualifiziert sich Mexiko mit solch regelmässigem Erfolg für die Weltmeisterschaft? Die Antwort liegt in der einfachen Nord- und Zentralamerikanischen Gruppe, die leicht zu bewältigen ist. Aber nicht dieses Mal! Unter Eriksson hatte Mexiko grosse Mühe auswärts zu spielen und musste Verluste gegen Jamaika und Honduras sowie ein unentschieden gegen Kanada einstecken. Sie qualifizierten sich in der ersten Gruppenphase nur durch den Torunterschied zu Jamaika. Die 2-0 Niederlage gegen die USA und die 3-1 Niederlage gegen Honduras in der zweiten Gruppenphase veranlasste die Kündigung von Eriksson und die Wiederaufnahme von Aguirre. Seither verlief die Qualifikation für Mexiko so vorhersehbar wie erwartet.
Die Spielmacher
Cuautemhoc Blanco (Veracruz) Als Mexiko sich ihre Reise nach Südafrika sicherte, erhoben sich die Massen im Azteca Stadium um einen Mann zu applaudieren, der bei Turniereröffnung 37 Jahre alt sein wird und dessen Rückkehr sie von der Verlegenheit einer Nichtqualifizierung rettete.
Guillermo Ochoa (Club America) Dies wird Ochoas zweiter WM-Auftritt sein, obwohl er diesmal nicht die dritte, sondern die erste Wahl sein wird. Seine Promotion zur Nummer 1 passt zur Formverbesserung Mexikos bei der er sich beim Gewinn des Concacaf Gold Cup im letzten Jahr auszeichnete.
Carlos Vela (Arsenal) Im zarten Alter von 16 Jahren bei Arsenal unter Vertrag genommen, führten Probleme mit seiner Arbeitsbewilligung sowie Verletzungen dazu, dass sich der Stürmer nur schwer in Arsene Wengers Mannschaft etablierte. Sein Potenzial wurde durch seine bezaubernde Einlage im vernichtenden 5-0 Sieg über den USA demonstriert.
Der Trainer
Javier Aguirre Dies ist sein zweites WM-Turnier als Trainer der mexikanischen Mannschaft. Er will seine Leistung vom Jahr 2002 übertreffen. In Japan führte Mexiko ihre Gruppe an, bevor sie gegen die USA 2-0 in ihrem ersten Match in Korea verlierten. Diese Niederlage wurde von Aguirre stilvoll revanchiert als Mexiko den Concacaf Gold Cup mit einem 5-0 Sieg im Giants Stadium letzten Jahres gewann. Inzwischen hat sich Aguirre einen beachtlichen Ruf in Spanien aufgebaut, indem er die Leistung von Osasuna und Atletico Madrid verbesserte, bevor er nach Hause zurückkehrte um Erikssons Durcheinander aufzuräumen.
Geschichte
World Cup: Quarter-finalists 1970, 1986.
Confederations Cup: Winners 1999
Concacaf Champions: 1965, 1971, 1977, 1993, 1996, 1998, 2003, 2009
Analyse
Trotz der Bemühungen von Javier Aguirre der Mannschaft, die von Sven-Goran Eriksson nicht inspiriert wurde, neues Leben einzuhauchen, befürchtet man, dass sich die Geschichte wiederholen könnte. Vor vier Jahren qualifizierte sich Mexiko, wie gewohnt, und traf dabei in der ersten Eliminationsrunde auf Argentinien. Trotz Überzeit beim Spiel in Leipzig mussten sie einen Verlust einstecken. Mit aller Wahrscheinlichkeit wird sie auch diesmal Argentinien konfrontieren, ausgenommen, dass sie sich die erste Platzierung durch die Qualifikationsspiele ergattern. Dabei wird ihr Fortschritt wahrscheinlich dort enden und das lang ersehnte Auswärtsviertelfinale wird ihnen noch verwehrt bleiben.
Urteil
Mannschaft: 3/5
Viele in Mexiko denken, dass die Qualität von vergangenen WM-Turnieren fehlt, besonders z.B. von 2002, aber wie durch den Gold Cup bewiesen wurde: Wenn die Mannschaft richtig motiviert und geführt wird kann sie grossen Schaden anrichten.
Trainer:
Wahrscheinlich der bestmöglichste Trainer für Mexiko. Aguirre kennt die Spieler und hat jede Mannschaft, mit der er je in Berührung gekommen ist, regelrecht transformiert. Er ist sicher, dass er zumindest dieselbe Leistung in Südafrika erbringen wird.
Angriff: 3/5
Wenn der Wind richtig weht, sieht Mexiko ziemlich gut aus. Innert 20 Minuten erreichten sie einen 4-0 Vorsprung in einem Freundschaftsspiel gegen Bolivien. Zudem haben sie der Mannschaft der USA auf eigenem Boden einen vernichtende Niederlage verpasst. Manchmal können sie aber eher als Leichtgewichte gelten...
Verteidigung:
Nach der unbefriedigenden Leistung unter Eriksson hat Aguirre seine Mannschaft durchtrainiert und aufgefrischt, die Mannschaft gibt einen aufgeweckten, motivierten Eindruck.