Obwohl dies ihre 8. WM-Teilnahme ist, gilt Paraguay oft als eine der südamerikanischen Mannschaften, die lediglich als Platzfüller dient. Sie so leicht zu unterschätzen wäre aber ein Fehler. Nur wenige Nationen konnten sich so effizient qualifizieren wie Paraguay und sie besitzen eine Offensivkapazität, die grossen Schaden anrichten kann. Vor vier Jahren enttäuschte die Leistung Paraguays. Vieles hängt ihrem zweiten Spiel gegen die Slowakei in Bloemfontein ab.
Der Weg nach Südafrika
Im Oktober 2008 sah es so aus als ob Paraguay die südamerikanische Gruppe mit Bravour meistern würde. Sie gewannen sieben ihrer Eröffnungsspiele und zwei der zehn Eröffnungsspiele waren unentschieden. Im Heimspiel schlugen sie Uruguay und Brasilien sowie Chile im Auswärtsspiel. Dann konnten sie sich gegen Argentinien behaupten und mit einem unentschieden hervorgehen, bevor sie drei ihrer nächsten vier Spiele verloren. Brasilien musste eine Sonderleistung bieten um in Recife aufzuholen. Nichtsdestotrotz formen Cabanas und Valdez eine sehr gefährliche Stürmerallianz und es gab niemals wirkliche Zweifel ob sich Paraguay überhaupt qualifizieren würde, was sie mit einem Sieg von 1-0 gegen Argentinien im Defensores del Chaco-Stadion beweisten.
Die Spielmacher
Justo Villar (Valladolid) Der Torhüter, der nach dem Abgang von Jose Luis Chilavert seine Stellung übernehmen muss, ist ein 32-Jähriger, der auf eine bessere Turnierzeit als vor vier Jahren hofft, wo er insgesamt sieben Minuten gegen England aushielt, bevor er wegen einer Verletzung ausschied. Er nahm nicht aktiv am Rest des damaligen Turniers teil.
Oscar Cardozo (Benfica) Ein wichtiger Bestandteil der Benefica-Mannschaft, die zu Hause und in der europäischen Liga beeindruckende Leistungen vollbrachte, Cardozo geht nach Südafrika mit Rückenwind aus seiner bisher besten Saison vor dem Tor im Estadio da Luz, dessen Highlight ein verheerender 5-0 Sieg gegen Everton war.
Salvador Cabanas (Club America) Sollte er es überhaupt bis zum WM-Turnier schaffen wird dies zu einer ganz besonderen Geschichte werden. Im Januar wurde dieser Stürmer, der so viel zur Qualifikation Paraguays beigetragen hatte, in einem Nachtclub in Mexiko angeschossen . Sein Ruf unter Mannschaftskollegen ist derart legendär, dass sein Einsatz nur aufgrund von dessen Ausstrahlung zu verantworten wäre.
Der Trainer
Gerardo Martino In Reaktion auf den 1-0 Sieg über sein Geburtsland, welches die Reise nach Südafrika definitiv sicherstellte, sagte dieser milde Argentinier: Es gibt nur zwei Gründe warum jemand Nationaltrainer wird. Entweder will man seinen Job behalten oder in die Geschichte eingehen. Ich habe die letztere Variante gewählt. Eine Viertelfinalteilnahme würde sicher in die Geschichte in Asuncion eingehen. Martino konnte zu Hause durch den Gewinn von Turnieren mit Cerro Porteno und Liberdad sowie einige schwere Entscheidungen auszeichnen, als er z.B. etwas unberechenbare Talente wie Julio dos Santos und dessen aggressive Selbstpositionierung ignorierte.
Geschichte
World Cup: Round of 16 1998, 2002.
Copa America: Winners 1979. Semi-finalists 1983.
Analyse
Vor vier Jahren sorgte Paraguay für schwerfällige Leistungen in Deutschland, die lediglich zum Sieg über Trinidad und Tobago führten. Sollten sie bei diesem Turnier wie vor vier Jahren nur gegen die schwächste Mannschaft, Neuseeland, siegen, stehen sie ganz schlecht da. Sollten sie sich zur Form finden mit der sie Brasilien, Argentinien und Chile überwältigen konnten, dann könnten sie vielleicht den Italienern eine bösartige Überraschung während ihrem Eröffnungsspiel in Cape Town aufbieten. Sie könnten sich in der Gruppe F ganz oben platzieren falls ihr Selbstwertgefühl wahren und konsistent bleiben können. Da die zweitplatzierte Mannschaft wahrscheinlich gegen Holland in Durban antreten muss, wird Paraguay, solange sie sich nicht an erster Stelle platzieren können, wieder in der letzten 16er-Runde ausscheiden müssen.
Urteil
Mannschaft: 3/5
Dies ist eine sehr ausgeglichene Mannschaft, die schon üppige Beweise dafür lieferte, dass sie mehr als die Summe ihrer Teile sind. Vieles hängt von der Siegessicherheit und Laune der einzelnen Spieler ab.
Trainer: 3/5
Er verursacht nur selten Schlagzeilen, aber Martino konnte sich als einer der wirksamsten Trainer Paraguays seit vielen Jahren etablieren.
Angriff: 3.5/5
In Bestform besitzt Paraguay eine sehr gefährliche Auswahl an Mittelfeldspieler und Stürmer.
Verteidigung: 2.5/5
Wäre Chilavert in Bestform dann könnte Paraguay mit deutlich mehr Siegessicherheit auftreten. Dennoch hat die Verteidigung ihre Aufgabe während der Qualifikation grundsätzlich erfüllt.