Die Schweizer sind keine Mannschaft, die leicht unterschätzt werden dürfen, auch wenn ihnen nicht einmal die Qualifikation auf dem eigenen Boden für die EM 2008 gelang. Sie konnten Ottmar Hitzfeld, eine wahre Grösse des europäischen Fussballs, als Trainer engagieren und besitzen in der Form von Alex Frei ein Kultsymbol der Schweizer Offensivstellung. Ihre letztendliche Qualifikation sowie ihre hohe Platzierung innerhalb der Gruppe bieten eine grosse Überraschung für alle, welche die 2-1 Niederlage in Zürich gegen Luxemburg miterleben durften. Angesichts der Höhenlage des Landes werden sie sich wohl kaum von Spielen weiter über Meereshöhe in Südafrika fürchten. Dennoch werden sie ihre ersten zwei Spiele auf Meereshöhe in Durban und Port Elizabeth antreten. Die zwei Spiele dürften wohl auch die schwierigsten der Gruppenspiele sein.
Der Weg nach Südafrika
Die Anstellung Hitzfelds hätte wohl kaum zu einem raueren Moment erfolgen können. Die Schweiz verschenkte einen Vorsprung von zwei Toren beim Eröffnungsspiel gegen Israel in Tel Aviv und erlebten dann eine verheerende Niederlage in Luxemburg. Der Schock hat die Mannschaft regelrecht wachgerüttelt. Sie konnten die nächsten fünf Spiele, u.a. die wichtigsten Spiele gegen Griechenland (2-1 in Athen sowie 2-0 in Basel), alle gewinnen. Die Siege gegen Griechenland haben ihnen die Reise nach Südafrika letztendlich gesichert. Nur während ihrem letzten Unentschieden sowie torlosen Spiel gegen Israel konnten die Schweizer kein Tor schiessen. Bei fünf ihrer letzten sechs Spiele konnten sie auch sauber abschliessen.
Die Spielmacher
Philippe Senderos (Everton) Er wechselte als Teenager von seinem ersten Club (Servette) zu Arsenal, wo er als talentierter aber oft fehlerhafter Mittelfeldspieler nie sein Trainer, Arsene Wenger, von seinen Qualitäten überzeugen konnte und Milan und dann Everton ausgeliehen wurde. Seine internationalen Leistungen sehen schon viel besser aus.
Tranquillo Barnetta (Bayer Leverkusen) Er fühlt sich im Mittelfeld sowie im Flügel zu Hause und war einer der Erfolgsträger der Schweizer WM-Kampagne vor vier Jahren. Seine Zeit bei Bayer Leverkusen brachte gemischte Resultate hervor, aber er konnte während der jetzigen Saison mehr von seinem wahren Potenzial zeigen.
Eren Derdiyok (Bayer Leverkusen) Derdiyok, der auch wie Barnetta ein Schweizer Rekrut von Bayer Leverkusen ist, ist ein starker Stürmer, der Alexander Frei unbezahlbare Unterstützung bietet und gegen England in Wembley ein Tor schoss. Mit Müh und Not kann man ihn auch im Mittelfeld einsetzen. Am Anfang seiner Bundesliga-Karriere schoss er mehr als ein Tor bei jedem zweiten Spiel.
Der Trainer
Ottmar Hitzfeld Obwohl der "General" zwei European Cup Siege mit zwei verschiedenen Mannschaften erreichte, eine Ehre, die nur Ernst Happel mit ihm teilt, bereitete die doch gelungene Qualifikation der Schweiz ihm am meisten Freude. Obwohl er in Deutschland zur Welt kam erlebte er erste Erfolge als Trainer der Grasshoppers Zurich. Er baute bei der Bundesliga auf seinen bisherigen Erfolg auf und führte Borussia Dortmund gegen eine hervorragende Juventus-Mannschaft zum Gewinn der Champions League. 2001 wiederholte er das Spektakel mit Bayern München. In der Zwischenzeit wurde ihm der European Cup-Titel durch Manchester United weggeschnappt. Er kehrte zu Bayern zurück und führte sie nochmals zu einem Bundesliga-Sieg bevor er von der Schweiz 2008 als Trainer engagiert wurde.
Geschichte
World Cup: Quarter-finalists 1938, 1954. Round of 16 2006
Analyse
Jetzt, nachdem sich Alexander Frei im Alter von über 30 Jahren befindet, wird er wohl kaum mehr dem Druck, der auf seinen Schultern lastet, gerecht werden können. Die Schweizer Mannschaft ist aggressiver als vor vier Jahren, wo sie nicht einmal einen Penalty gegen die Ukraine in Cologne schiessen konnten. Sie besitzen immer noch eine starke Verteidigung, werden aber von ihrer Gruppe schön unter Druck gesetzt. Die Mannschaft Hitzfelds begegnet Honduras, die einfachste Mannschaft der Gruppe, zuletzt. Dieses Spiel wird zu spät stattfinden um den Turnierverlauf der Schweiz irgendwie beeinflussen zu können. Sie müssen ihr erstes und schwierigstes Spiel gegen Spanien in Durban überstehen und dann nach Port Elizabeth reisen um gegen Chile anzutreten. Dabei müssten sie gegen Chile zumindest ein Punkt holen, damit sie die 16er-Runde erreichen können.
Urteil
Mannschaft: 2.5/5
Mit Ausnahme von Frei besitzt diese Mannschaft keinerlei Superstars, aber die einzelnen Spieler können wohl sehr gut zusammenarbeiten.
Trainer: 5/5
Otmar Hitzfeld ist eine Weltgrösse unter Fussballtrainer. Dennoch wird er alle Register ziehen müssen um den Schweizern die Meisterung ihrer Herausforderungen zu ermöglichen.
Angriff: 2/5
Die Schweiz hatte eine Angriffskapazität, die vielseitiger und besser gestaltet ist als vor vier oder acht Jahren. Dennoch fehlt ihnen die nötige Durchsetzungskraft.
Verteidigung: 3/5
Die Verteidigung ist ihre deutliche Stärke, was während dem letzten Turnier und der Erholung von den Niederschlägen gegen Israel und Luxemburg währen der Qualifikation mehr als bewiesen werden konnte.