Bei jedem wichtigen Turnier sieht man das Talent, welches Spanien auf dem Spielfeld kommandiert, und dann muss man zusehen wie sich eine Grossmacht des internationalen Fussballs ein Riesenpatzer nach dem anderen baut. Es gibt wohl kaum ein besseres Beispiel als ihr verheerender 6-1 Sieg gegen Bulgarien beim WM-Turnier 1998, wobei sie aufgrund ihrer schlappen Anfangs- Leistung im Turnier ausscheiden mussten. Diesmal erwartet niemand eine frühe Selbstzerstörung Spaniens. Eine unbeeindruckende Leistung beim Confederations Cup in Südafrika im letzten Jahr zeigte, dass Spanien immer noch zu enttäuschenden Leistungen fähig ist. Dennoch steht ihnen wohl diesmal die beste Chance ihrer Geschichte, ihren Ruf als die beste Fussballmannschaft zu beenden, die noch nie die Weltmeisterschaft gewann.
Der Weg nach Südafrika
Niemand hat einen stilvolleren Einzug nach Südafrika als Spanien genossen. Sie konnten jedes Spiel gewinnen und mussten in Heimspiel kein einziges Tor einstecken. Nur einmal befand sich ihre vollkommen saubere Leistung in Gefahr. Albert Riera konnte während der 92. Minute ein Siegtor in Istanbul gegen die Türkei erringen und dieser Bedrohung ein Ende setzen. David Villa war der Star der Qualifikation und konnte insgesamt sieben Tore schiessen. Für eine Mannschaft, welche die EM gewann, war dies eine eher einfache Gruppe. Auch lieferte die bisherige Leistung der Mannschaft die Beweise dafür, dass der Übergang von der Führung Luis Aragones zu Vicente del Bosque in jederlei Hinsicht ohne grosse Ausschläge gelungen ist.
Die Spielmacher
Cesc Fabregas (Arsenal) Obwohl Iker Casillas der Kapitän Spaniens sein mag hat Fabregas während seiner Zeit in London bewiesen, dass er eine geborene Führernatur ist, um die sich die junge sowie talentierte Mannschaft Arsenals herumscharte. Er ist das Resultate der Jungakademie Barcelonas und es mag nur eine Frage der Zeit sein bis er nach Camp Nou zurückkehrt.
Iker Casillas (Real Madrid) Mit mehr als 100 Caps im zarten Alter von 29 Jahren zu Turnierbeginn mag Casillas vielleicht der beste Torhüter der Welt sein. Sicher ist, dass er der beste Schussstopper der Welt ist, der sein Debüt für sein Club Real Madrid im Alter von 16 Jahren erlebte und die Champions League gewann als er noch ein Teenager war.
Carles Puyol (Barcelona) Während so vielen Jahren ist die Zentrale, wildhaarige Mitte in Form von Puyol das Herz von Camp Nou. Während David Villa und Fernando Torres in der EM 2008 die Schlagzeilen für sich hatten, war es die Verteidigung, die durch Puyol vereint wurde und nur während zwei von fünf Spielen ein Tor durchgehen liess, welches für den letztendlichen Sieg Spaniens verantwortlich war.
Der Trainer
Vincente Del Bosque Real Madrid hat sich öfters beim Feuern ihrer Trainer wirklich dumm aufgeführt und der Abgang des schnurbärtigen Veteranen im Jahr 2003 war ein perfektes Beispiel davon. Er konnte vor seinem Abgang La Liga gewinnen und ein Jahr zuvor die Mannschaft zur Champions League führen. Er wurde als nicht genügend glamourös angesehen, unpassend zur glorreichen Galactico-Ära, die dazumals hätte beginnen müssen. Seither muss sich Madrid den zweiten Rang hinter Barcelona erfreuen und genoss keinerlei grosse Wirkung in der Champions League. Del Bosque hatte eine unfruchtbare Anstellung bei Besiktas in der Türkei, bevor er die Stelle des Nationaltrainers nach der Euro 2008 annahm. Seine Erfolgsfaktoren bestehen darin die vielen grossen Egos der Mannschaft zu beschwichtigen und aus vielen Einzeltalenten eine vereinte Mannschaft zu bilden. Dies sind perfekte Führungsqualitäten für die Leitung von La Rioja.
Geschichte
World Cup: Quarter-finalists 1986, 1994, 2002.
European Championship: Winners 1964, 2008. Finalists 1984.
Analyse
Sie könnte ihre Turnierteilnahme wirklich versauen und der Confederations Cup vom letzten Jahr, wo sie 2-0 gegen den USA in Bloemfontein verloren, war wohl kaum eine besonders ermutigende Leistung. Zum Glück muss sich niemand mehr nach der Euro 2008 fragen, ob die Spannungen zwischen Castile und Katalonien sowie Real Madrid und Barcelona die Bildung einer erstklassigen Nationalmannschaft verhindern. Obwohl die Gruppe einfach ist, wird ihr Weg es nicht sein. Mit der Annahme, dass sie bei ihrer Gruppe ganz oben rauskommen, werden sie in der 16er-Runde gegen die Elfenbeinküste oder Portugal in Cape Town antreten müssen. Falls sie dies überstehen wird Italien in Johannesburg auf sie warten. Dann gibt es hoffentlich eine Wiederholung des Viertelfinals der Euro 2008, wo die Spanier als Sieger hervorgehen durften.
Urteil
Mannschaft: 4.5/5
Eine ausserordentlich ausgeglichene, talentierte Mannschaft, die zwar keine besonders starke Verteidigung besitzt, aber sich dennoch gegen jede Mannschaft in Südafrika ohne allzu grosse Sorgen stellen darf.
Trainer: 4/5
Es gab Zweifel ob Del Bosque die Magie, die er bei Real Madrid herbeizauberte, auch bei der Nationalmannschaft tauglich wäre. Nach einem Siegeszug, der zehn aufeinanderfolge Spiele umfasst, ist die Antwort wohl allen klar.
Angriff: 5/5
Es gibt wahrscheinlich kaum eine bessere Offensivkapazität als die von Torres und Villa, natürlich durch Iniesta, Xavi, Fabregas und Xabi Alonso unterstützt.
Verteidigung: 4/5
Sie besitzen nicht den gleichen Glanz wie die Angreifer der Mannschaft, was meistens auch der Fall ist. Kein einziges Tor im Heimspiel einstecken zu müssen stellt eine sonderliche Meisterleistung der spanischen Mannschaft dar.